Jetzt kommt der Unterricht nach Hause

 Die BWO Behinderten-Werkstätten Oberberg sind derzeit geschlossen. Darum erhalten die Teilnehmer des BerufsBildungsBereichs (BBB) ihre Ausbildung jetzt online per Video. Damit der Unterricht auch zu Hause weitergeht, wurden individuelle Lernpakete geschnürt.

Wie alle Werkstätten für Menschen mit Behinderung, hat auch die BWO voraussichtlich bis zum 19. April geschlossen. Dies gilt auch für den BerufsBildungsBereich (BBB), dem Eingangsbereich der Werkstatt. Die Teilnehmer durchlaufen hier das Eingangsverfahren und eine Berufsbildungsmaßnahme. In dieser lernen sie die Werkstatt und ihre Arbeitsbereiche kennen, entwickeln berufliche und persönliche Ziele, erproben Berufsfelder und bekommen soziale und lebenspraktische Kompetenzen vermittelt.


Diese Ausbildung können die Teilnehmer ab sofort im Homeoffice fortsetzen. Dazu haben die Bildungsbegleiter der BWO für jeden Teilnehmer des BBB ein individuelles Lernpaket geschnürt. Die Arbeitsblätter kommen per Post zu den Teilnehmern nach Hause, Hintergrundinformationen zu den Aufgaben gibt es ab sofort online auf der BBB Lernplattform. Hier können die Teilnehmer in einem passwortgeschützten Bereich Videos ansehen, die die Bildungsbegleiter der BWO zusammengestellt haben. Da geht es beispielsweise um die sichere Handhabung eines Cutter-Messers, um Pflanzenkunde und Verkehrssicherheit und – in Zeiten von Corona – natürlich darum, wie man sich richtig die Hände wäscht. Der Umgang mit Online-Medien trainiert sich dabei wie von selbst. Im Lernpaket enthalten sind neben den zahlreichen Übungsaufgaben aber auch Bastel-Vorlagen und Ausmalbilder – falls die Zeit zu Hause doch einmal lang wird.

„Die Teilnehmer des BerufsBildungsBereichs haben ein Recht auf Berufliche Bildung, Förderung und Betreuung. Und das natürlich auch während der Corona-Krise“, erklärt Bildungsbegleiter Matthias Kallidat beim Zusammenstellen der Lernpakete. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, wurde neben der Lernplattform auch eine Notgruppe eingerichtet. Diese wird von Teilnehmern des BBB besucht, die nicht zu Hause betreut werden können, weil die Eltern in systemkritischen Berufen arbeiten. Und für alle „BBB-Teilnehmer im Homeoffice“ sind die Bildungsbegleiter telefonisch erreichbar – und das nicht nur bei Fragen zur Lernplattform, sondern bei allen Sorgen, Fragen und Nöten.
 

In der Krise eine kostbare Hilfe: Menschen mit Behinderung in systemkritischen Berufen

Die Werkstätten der BWO mussten wegen der Corono-Krise schließen, aber nicht alle Werkstatt-Beschäftigten bleiben zu Hause: In „ausgelagerten Arbeitsplätzen“ gehen sie weiter ihrer Beschäftigung nach und leisten so einen wichtigen Beitrag in systemkritischen Berufen – freiwillig und mit vollem Einsatz.

Zuhause bleiben ist das Beste, was man tun kann, um die Verbreitung des Corona-Virus zu stoppen. Diese Devise gilt für den Großteil der Bevölkerung und unter diesem Leitsatz stand auch der Erlass, mit dem das Land NRW am 18. März Werkstätten für Menschen mit Behinderung vorübergehend schloss. Doch genauso wenig, wie die Devise für alle Berufsgruppen gilt, gilt sie auch für alle Menschen mit Beeinträchtigungen, die in Werkstätten arbeiten. Denn genau wie ihre Kollegen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt leisten sie wertvolle Arbeit in sogenannten systemkritischen Berufen. Dies ermöglichen Betriebsintegrierte Arbeitsplätze (BiAP), die Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarkts für Werkstattbeschäftigte einrichten. Die Menschen mit Behinderung werden weiterhin durch die Werkstatt entlohnt und versichert, ihr Arbeitsplatz befindet sich aber im Unternehmen.

Als Werkstätten geschlossen wurden, stellte die BWO Behinderten Werkstätten Oberberg GmbH ihren BiAP-Beschäftigten frei, ob sie weiterhin arbeiten oder zuhause bleiben. Für Michel Hoffmann war das keine Option: „Ich bin stolz, für unsere alten Menschen da sein zu können, und gehe gerne zur Arbeit“; sagt der 38-Jährige, der 2006 in der BWO anfing und 2015 einen Außenarbeitsplatz im AWO Seniorenzentrum Am Königsbornpark Waldbröl bekam. Hier kümmert er sich um Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Er reicht Essen an, unternimmt Spaziergänge, liest vor oder bietet Gemeinschaftsaktivitäten wie Quizspiele an. „Für diesen Job braucht es Empathie und ein ruhiges Wesen. Das hat man, oder eben nicht. Herr Hoffmann hat es“, lobt Barbara Koll-Weber, Leiterin des Sozialen Dienstes des Seniorenzentrums, ihren mittlerweile langjährigen Mitarbeiter.

Dass Michel Hoffmann trotz Freistellung weiter zur Arbeit kommt, hat man im Seniorenzentrum mit großer Erleichterung aufgenommen. Schließlich ist in einer Zeit, in der die Bewohner nur noch einzeln betreut werden dürfen, jede helfende Hand wertvoll. „Um das Ansteckungsrisiko zu verringern, führe ich keine Gruppenangebote mehr durch. Und ich achte darauf, dass die Bewohner nicht zu dicht zusammensitzen“, erklärt Michel Hoffmann seinen Arbeitsalltag in Zeiten von Corona. Auch privat leistet er seinen Beitrag, um die Verbreitung des Virus zu reduzieren. „Ich gehe zur Arbeit und ansonsten bleibe ich zu Hause.“ Die Zeit vertreibt er sich mit Hausarbeit. „Da macht Arbeiten mehr Spaß“, lacht er.

Auch Tanja Odenthal und Maik Eichert mussten nicht lange überlegen, als ihnen angeboten wurde, zu Hause zu bleiben. „Wir arbeiten“, stand für das Paar sofort fest. Beide wechselten nach einem Praktikum von der BWO ins Evangelische Altenheim Bergneustadt. Tanja Odenthal kümmert sich seit 2014 als Assistentin in der Alltagbegleitung um das Wohlergehen der Senioren, Maik Eichert unterstützt seit 2016 den Hausdienst. Für ihre „Traumjobs“ sind beide sogar umgezogen. Dass sie die Bewohner und ihre Kollegen auch in Zeiten von Corona nicht im Stich lassen, war da für beide selbstverständlich. Tanja Odenthal engagiert sich weiter in der Betreuung sowie bei der Vorbereitung und Durchführung der Mahlzeiten und Maik Eichert packt weiter mit an, wenn Renovierungsarbeiten anstehen, Getränke ausgeteilt werden oder die Außenanlage in Schuss gehalten werden muss.

Gar nicht selbstverständlich finden dieses Engagement Diana Neu, Leiterin des Sozialen Dienstes des Altenheims, und Hauswirtschaftsleitung Karin Bernhardt. „Auch wir dürfen unsere Bewohner nur noch einzeln betreuen. Dabei ist Frau Odenthal eine wertvolle Unterstützung“, so Diana Neu. Gerade jetzt, wo keine Besucher empfangen werden dürfen und alle gruppenübergreifenden Angebote ausfallen, ist es für die Bewohner wichtig, jemanden zum Reden zu haben. Tanja Odenthal ist in dieser Zeit gerne für die Menschen da, hört ihnen zu und hilft, die Stimmung hochzuhalten. Das tut auch Maik Eichert: „Diese Zeiten sind für Mitarbeiter und Bewohner eine Herausforderung. Wenn man dann jemanden im Team hat, der so fröhlich und liebenswert ist, wie Maik, ist das für alle ungemein wohltuend“, lobt Karin Bernhardt ihren Mitarbeiter. „Hier mit den Menschen sprechen zu können, macht ja auch mehr Spaß, als nur zu Hause zu sitzen“, erwidert Maik Eichert darauf lachend. Ihm und seiner Partnerin merkt man genau wie Michel Hoffmann an, dass sie lieben, was sie tun. Und daran ändert auch ein Virus nichts.


(Bildhinweis: Das Foto stammt aus dem Archiv der BWO)

Aktuelle Informationen zum Coronavirus

Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

gesetzliche Betreuende und Angehörige,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

auf behördliche Anordnung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS) besteht ein Betretungsverbot für Menschen mit Behinderung in Werkstätten. Die Anordnung gilt vom 18. März 2020 voraussichtlich bis 19. April 2020.

Derzeit gehen wir davon aus, dass wir unsere Beschäftigten ab dem 20. April 2020 wieder begrüßen können.

 

Für die Beschäftigten, die Zuhause leben und keine ausreichende Betreuung/Versorgung haben, hat das MAGS Notfallregelungen vorgesehen.

 

Wir sind sehr erleichtert, dass mit dem Erlass nun endlich Klarheit und Sicherheit geschaffen worden ist.

 

Fragen rund um die Notfallbetreuung richten Sie bitte an Herrn Bey - Gesamtleitung:

Telefon: 02261 /6069-101

E-Mail: info@bwo-wiehl.de

 

Sobald neue Informationen vorliegen, werden wir Sie an dieser Stelle darüber informieren.

 

Wir wünschen allen beste Gesundheit!

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Jens Kämper

Geschäftsführung

Die „Teestube“ lädt ein

Auch in diesem Jahr öffnet der Freizeitreff „Teestube“ zweimal pro Woche seine Türen für alle Menschen mit Behinderung aus der Region. Die „Teestube“ ist ein Angebot des Vereins zur Förderung und Betreuung behinderter Kinder Oberbergischer Kreis und besteht bereits seit rund 30 Jahren. Ziel ist es, Menschen mit Beeinträchtigung ein lockeres Zusammenkommen jenseits von Wohnhaus oder Werkstatt zu ermöglichen. Betreut werden die Besucher dabei von einem vierköpfigen Fachteam.

In der „Teestube“ ist immer etwas los: Es wird gemeinsam gekocht, gebastelt, gekegelt, gegickert, Musik gehört, Filmabende veranstaltet und natürlich ganz viel miteinander geredet. „Wir Mitarbeiter sind Betreuer, Mitspieler und Zuhörer in einem“, erklärt Heilerziehungspfleger Julian Sievers, dass es in der Teestube um ein buntes Miteinander geht, aber auf Wunsch auch Raum für persönliche Gespräche geschaffen wird. Auch zu Abend gegessen wird in der Teestube gemeinsam, die Besucher werden in die Vorbereitung der Mahlzeiten auf Wunsch mit einbezogen. Und natürlich wird auch zusammen gefeiert. Dazu bieten das jährliche Sommer- und Weihnachtsfest Gelegenheit.

In der Teestube ist jeder willkommen! Sie hat dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr im Begegnungszentrum Gähnfeld (Im Gähnfeld, Wiehl-Oberbantenberg) geöffnet. Mitarbeiter und Besucher der Teestube freuen sich immer über neue Gesichter!

Sie möchten an "Behinderten Werkstätten Oberberg GmbH" spenden?
Sie möchten Mitglied werden?